geformtPrüfend wandert der Blick von Tonnie de Ruiter über die Eichenbretter, die an der Wand der Werkstatt lehnen. Er ist auf der Suche nach geeignetem Holz für das nächste Möbelstück. Aber ganz so leicht ist das nicht. „Man kann sich nicht einfach ein paar Eichenbretter nehmen, um eine Kommode zu bauen“, erklärt der gelernte Tischler. Die Bretter müssen von der Farbe und der Maserung zusammenpassen, sonst wird das Möbel später nicht stimmig. „Auf diese Weise entscheidet eigentlich das Holz, was es werden will, nicht der Tischler.“

Familienunternehmen
Als Tonnie vor Jahren den Schreinerbetrieb von dem Vater eines Freundes übernahm, baute er dort zuerst nur mit neuem Holz. Aber diese Arbeit machte ihm keinen großen Spaß; sie war ihm zu eintönig. Obwohl er damals von vielen belächelt wurde, spezialisierte sich der Möbelbauer schließlich auf altes Eichenholz. Auch seine Brüder konnte er dafür begeistern: Als Erster stieg Jeffrey in den Betrieb mit ein; einige Jahre später folgten auch Gerard und Ab de Ruiter. Die Zusammenarbeit hat sich einfach so ergeben. Nun schaut jeder, wo er gebraucht wird, und bringt sich in dem Bereich ein, der ihm besonders gut liegt. Auf diese Weise sind die Aufgaben von Holzbearbeitung, Möbelbau, Dekoration, Buchhaltung und Spedition gut verteilt, auch wenn die gemeinsame Arbeit nicht immer einfach ist. Dafür sind die Geschwister eigentlich immer einer Meinung, was den Umgang mit dem alten Eichenholz angeht. Auf der Suche nach dem passenden Material haben sie schon viele Kilometer zurückgelegt; einige Male sogar bis nach Süddeutschland, Belgien oder Frankreich. „Manche Händler halten uns deshalb für verrückt“, schmunzelt Tonnie.

 

Ein Möbelstück entstehtgroep
Bevor etwas aus dem alten Eichenholz entstehen kann, werden die Bretter zuerst gesäubert und störende Nägel entfernt. Mit Schleifpapier und Bürsten werden sie anschließend leicht geschliffen. Vollständiges Glattschleifen oder Hobeln ist tabu, denn es würde die besondere Holzstruktur verschwinden lassen. Dann werden die alten Bretter nach Farbe, Länge und Dicke passend zusammengelegt. Die Auswahl der richtigen Stücke ist schwierig, vor allem wenn es um den passenden Farbton geht. Danach geht aber alles fast wie von selbst. Die Brüder fertigen meistens weder einen Plan noch eine Zeichnung an. Gebaut wird hauptsächlich nach Bauchgefühl, aber das Holz gibt die Maße vor. Die Dauer der Herstellung ist dabei ganz unterschiedlich: Manchmal wird ein Möbel direkt an einem Tag fertig, manchmal braucht es eine ganze Woche oder länger, je nachdem wie schnell die passenden Holzteile vorhanden sind. Die fertigen Möbel stellen die Gebrüder de Ruiter in ihrer Möbelausstellung und auch auf Messen aus. Besonders gefällt ihnen dabei, dass die Menschen von dem alten Holz so positiv überrascht sind. Sobald sie die Möbel sehen, möchten sie deren unterschiedliche Oberflächen berühren, und nicht selten verlieben sie sich dann direkt in das eine oder andere Stück.